Pangasius: Ein Massenprodukt erobert den deutschen Markt
http://www.dennis-knake.de/2006/01/04/pangasius-ein-massenprodukt-erobert-den-deutschen-markt/

Er ist wohl die erfolgreichste Entdeckung seit den Fischstäbchen: Der Pangasius. In den USA oder Asien seit langem bekannt, begann der gastronomische Siegeszug dieser Welsart in Deutschland erst vor kurzem. Mittlerweile ist er aus der hiesigen Gastronomie, im Catering und aus den Supermärkten nicht mehr wegzudenken. Pangasius, ein wohlklingender Name der nach Gourmet und Michelin-Stern klingt. Sein Geschmack erinnert ein wenig an Seezunge, ist dabei aber viel billiger. Und genau das ist das Problem: Der Pangasius ist längst zu einem industriell gezüchteten Massenprodukt geworden.

Fisch ist gesund. Sollte er zumindest sein. Richtig Gesund ist er aber nur wenn er in freier Wildbahn und aus unbelasteten Gewässern stammt. Leider stammen die meisten der heute im Supermarkt oder bei Discountern angebotenen Fische aus oft zweifelhaften Aquafarmen.

Wie bei der konventionellen Massentierhaltung leidet auch die Qualität bei der Massentierhaltung unter Wasser. Zu tausenden und ohne viel Freiraum werden die Tiere bis zur Schlachtreife mit speziellen Kraftfutter in möglichst kurzer Zeit herangezüchtet. Das macht sie anfällig für Krankheiten. Erreger können sich auf dem engen Raum in rasender Geschwindigkeit ausbreiten. Und damit das nicht geschieht, wird das Futter mit Antibiotika angereichert. Guten Appetit!

Auch der Deutschland erhältliche Pangasius, ein Fisch aus der Familie der Haiwelse (Pangasiidae), kommt meist aus asiatischen Aquafarmen. Vornehmlich aus Vietnam. Gerade Vietnam ist vor gut drei Jahren mit Chloramphenicol und Nitrofuran verseuchten Fischprodukten in die Schlagzeilen geraten. Heute sollen die Kontrollen besser sein.

Gefüttert wird der Pangasius in der Regel acht Monate lang mit Reismehl und Bananen. Bei knapp ein bis zwei Kilogramm Gewicht tritt seine Seele vor den Schöpfer und sein Fleisch filetiert und tiefgefroren die Reise nach Deutschland an.

Pangasius scheint wie perfekt auch für den weniger geübten Koch: Er verträgt längere Kochzeiten und hat kaum Gräten. Sein milder Geschmack läßt vielfältige Rezeptvariationen zu. Das alles macht ihn so beliebt und hat aus ihm gleichzeitig ein Massenprodukt gemacht.

Wer Pangasius dennoch unbeschwert genießen möchte, sollte zumindest darauf achten, einen Fisch aus Öko-Aquakulturen zu ergattern. Biofarmer dürfen weder Antibiotika noch chemisch-synthetische Zusatzstoffe verabreichen.

Einen recht übersichtlichen Einkaufsführer zu verschiedenen Fischarten und eine Einordnung auf Bestandslage, Haltung, Fangmethoden und Umweltauswirkungen bietet Greenpeace als .PDF Datei im Internet an. Reinschauen lohnt sich. http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=2674&no_cache=1&sword_list[]=Fisch

http://www.konsumo.de/news/2539-Pangasius:-Beim-Kauf-des-Modefisches-bekommen-Verbraucher-viel-Wasser-für-ihr-Geld

Pangasius: Fisch hat meist schlechte Qualität

Das österreichische Verbrauchermagazin "Konsument" kritisiert neben dem Geschmack auch die mangelhafte Kennzeichnung bei offener Ware

Das Filet des Pangasius findet sich immer häufiger in Deutschlands Fischtheken.

Pangasius, ein vor rund fünf Jahren noch weitgehend unbekannter Zuchtfisch aus dem Mekongdelta, findet zunehmend den Gefallen von Fischfans und auch einstiger Fischverächter. Das Geheimnis: Er enthält kaum Gräten und ist geschmacksneutral. Das österreichische Verbrauchermagazin "Konsument" hat sich diesen Modefisch näher angesehen und 15 Produkte, elf davon tiefgekühlt, untersucht und verkostet. Das Ergebnis: viel Wasser und nur wenig Geschmack.

Eine den Fisch umgebende Wasserschicht (Glasur) machte häufig bis zu zwanzig Prozent des Gewichtes aus. Auch geschmacklich überzeugten die Proben die Tester vom österreichischen Pendant zur Stiftung Warentest nicht: "Neutral, wässrig" lautete noch das schmeichelhafteste Urteil. Eine Probe war sogar mit Tierarzneimitteln verunreinigt.

Auf tiefgefrorenen Fisch zurückgreifen

Beim Einkauf der Filets erlebten die Tester eine unangenehme Überraschung: Lediglich "Nordsee" kennzeichnete die offen zum Verkauf angebotenen Pangasius-Filets als aufgetaute Ware. Nach Angaben des Großhandels wird der Fisch aber ausschließlich tiefgefroren importiert. Deshalb empfiehlt "Konsument"-Ernährungswissenschaftlerin Birgit Beck auf tiefgefrorenen Fisch zurück zu greifen. Dieser wird häufig sogar billiger angeboten als die aufgetaute Ware.

Kühlkette nicht immer lückenlos 88|

Doch auch Tiefkühlware hat ihre Tücken: Zum Schutz vor Austrocknung waren neun der elf tiefgekühlten Proben mit einer Glasur aus gefrorenem Wasser umhüllt. "Wer also wissen möchte, wie viel er wirklich kauft, sollte das Abtropfgewicht heranziehen", empfiehlt Beck. Zwei Produkte enthielten zudem Polyphosphate und Triphosphate 88| . Diese Substanzen helfen, Wasser im Fleisch zu binden, was mehr Gewicht vortäuschen kann.

Bei einigen Tiefkühlprodukten gab es zudem Anzeichen, dass die Kühlkette nicht lückenlos war. Ökologisch günstiger aber wäre es ohnehin, Fische aus heimischen Gewässern zu kaufen. Kurze Transportwege sparen viel Energie und auch der Energieverbrauch für das Tiefkühlen fällt meist weg.

Geschmacklich wenig überzeugend

Überwiegend positive Ergebnisse gab es bei der Untersuchung auf Arzneimittelrückstände. In einer Probe wurde allerdings Semicarbazid nachgewiesen, was darauf schließen lässt, dass bei der Zucht Nitrofurane 88|88|88|88|eingesetzt wurden, die in der EU aufgrund ihrer krebserregenden Wirkung verboten sind. Durchgängig in Ordnung war die bakteriologische Untersuchung der offenen Ware.

Pangasius enthält als besonders magerer Süßwasserfisch nur geringe Mengen der Omega-3-Fettsäuren und zeichnet sich durch einen neutralen Geschmack aus. Bei der Verkostung fielen zahlreiche Proben jedoch durch modrig-schlammigen Geschmack auf. CS

http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=2674&no_cache=1&sword_list[]=Fisch

Tischgespräch mit Thomas Henningsen :wave:

greenpeace magazin 1.07
Thomas Henningsen, 45, Meeresbiologe, leitet den Bereich Meere, Wälder, Artenvielfalt bei Greenpeace

Vergeht einem der Appetit, wenn man mit Ihnen Essen geht?

Das kann leicht passieren. Vor allem im Fischrestaurant. Die Leute fragen mich schon immer ganz vorsichtig, welchen Fisch sie denn guten Gewissens noch essen können. Wenn ich dann sage, genau drei Arten, nämlich Makrele, Hering oder Seelachs, dann sind sie schockiert. Und selbst dem Hering könnte es bald wegen der Meereserwärmung wieder schlechter gehen.

Was ist mit Scholle, Kabeljau, Rotbarsch, Thunfisch, Lachs oder Shrimps?

Alles tabu. Entweder sind die Bestände hochgradig gefährdet wie etwa bei Kabeljau, Thunfisch oder Rotbarsch. Oder die Fische werden mit zerstörerischen Fangmethoden aus den Meeren geholt. Die übelste von allen ist die Grundschleppnetzfischerei auf der Jagd nach Schollen und Shrimps. Mit sogenanntem Scheuchgeschirr wird der Meeresboden umgepflügt. Dabei wird das ganze Ökosystem zerstört. Selbst vor jahrtausendealten Kaltwasserkorallenriffen im Nordatlantik, übrigens den größten der Welt, machen die Flotten nicht Halt. Wo solch ein Scheuchgeschirr rüberdonnert, ist binnen weniger Minuten alles kaputt. Für immer. Wir gehen davon aus, dass die Grundschleppnetzfischerei weltweit täglich eine Fläche von rund 1500 Quadratkilometern zerstört – alle vier Sekunden zehn Fußballfelder.

Schade um die Maischolle.

Sie schmeckt sehr lecker, das weiß ich auch. Aber man kann sie einfach nicht mehr bestellen. Zur Zerstörung des Lebensraums kommt ja noch ein ganz anderer, nicht minder erschütternder Aspekt hinzu: Für jedes Kilo Scholle, das auf dem Teller landet, sind neun Kilo anderer Tiere unnütz in den Netzen verendet. Einmal haben wir diesen sogenannten Beifang eines Fischers in der Nordsee zu fassen gekriegt, der seine Netze zwei Stunden draußen hatte. Für ein paar hundert Tiere, die in den Handel gehen, haben wir mehr als 11.000 tote Tiere gezählt: zum Beispiel Seesterne, Muscheln, riesige, jahrzehntealte Taschenkrebse, aber auch so seltene Arten wie Rochen und vor allem jede Menge Jungfische. Da können einem die Tränen kommen. Jeden Tag werden Millionen von Meeresbewohnern sinnlos vernichtet – Leben als Abfall. Was für eine respektlose Verschwendung! Ich denke oft, könnten Fische doch bloß schreien, dann würden wir mit ihnen nicht so umgehen.

Die Fischer sehen doch, was sie anrichten ...

... und machen trotzdem weiter. Ich kenne selbst einige Fischer. Den meisten sitzt der Kredit für ihren Kahn im Nacken. Also fahren sie auch morgen wieder raus. Es kommt sogar vor, dass Industrietrawler auf hoher See Teile ihres Fangs wieder über Bord werfen, weil sie beispielsweise gerade erfahren haben, dass eine andere Sorte Fisch am Markt einen höheren Preis bringt. So pervers ist das alles! Auch beim Thunfisch zeigt sich der ganze Wahnsinn. Der Raubfisch ist extrem lukrativ und gerade deshalb hochgradig gefährdet.

Werden immer noch so viele Delfine beim Fang getötet?

Das hat sich etwas gebessert, dafür gibt es massive andere Probleme. Erstens die Piratenfischer: Zu Tausenden machen sie illegal Jagd auf den begehrten Räuber. Zweitens die Fangmethode: Die Flotten fangen riesige Schwärme, verkaufen die großen und geben die kleinen Thunfische an Firmen, die sie in Schwimmkäfigen mästen. Auf diese Art werden ganze Bestände gekillt, weil sich die Jungtiere nicht mehr fortpflanzen können. Zudem werden in der Mast wiederum ungezählte Tonnen Fisch verfüttert. Drittens die EU-Fischereiabkommen: Weil ihre eigenen Fanggebiete leergeräubert sind, kauft die EU zum Beispiel in Afrika oder bei Inselstaaten im Pazifik billig Fangrechte, schnappt den Fisch weg und hinterlässt in diesen Ländern Armut und Nahrungsmangel.

Das hört sich nach einem Versagen der Politik an.

Das stimmt leider. Und wir alle finanzieren diese zerstörerische EU-Fischereipolitik auch noch mit unseren Steuergeldern! Ein anderes Beispiel ist der Kabeljau: Seine Bestände kollabieren in fast allen Meeren, selbst konservative Wissenschaftler empfehlen ein sofortiges, totales Fangverbot und sogar die Einstellung aller anderen Fischereien, bei denen Kabeljau als Beifang in den Netzen landet. Aber die Politik schert sich nicht drum und vergibt weiterhin große Quoten, wie gerade erst wieder Ende Oktober für die Ostsee.

Reagiert denn wenigstens der Handel auf die dramatische Situation?

In Großbritannien und Schweden haben etliche Supermarktketten vom Aussterben bedrohte Fischarten ausgelistet. Hierzulande hat der Handel gerade erst den Ernst der Lage begriffen, aber noch nichts unternommen.

Kehren wir noch mal kurz zurück ins Fischrestaurant: Wie reagieren Sie, wenn Sie Schillerlocke oder Haifischflossensuppe auf der Karte entdecken?

Ich verlasse das Lokal unter Protest. Da kann ich nicht essen. Den Haien werden die Flossen abgeschnitten, derart verstümmelt werden sie wieder ins Meer geworfen. Einmal ist mir aufgefallen, dass die Lufthansa im Flugzeug Haifischflossensuppe serviert. An die haben wir sofort einen empörten Brief geschrieben. Binnen zehn Tagen war die Suppe gestrichen.

Was kommt denn bei Ihnen zu Hause auf den Tisch?

Wenn ich für meine drei Jungs koche, gibt’s alles, was die mögen, also Spaghetti, Pfannkuchen, Bratkartoffeln. Einmal die Woche, aber das ist schon viel, brate oder grille ich auch Fisch oder Fleisch. Wann immer möglich, kaufe ich auf dem Ökomarkt ein. In Obst könnte ich mich reinsetzen, Brot und Kartoffeln esse ich auch sehr gern. Aber meine größte Leidenschaft ist Eiscreme.

Weil die der Umwelt nicht schadet?

Schön wär’s. In Eis steckt leider oft auch Sojalecithin drin. Und schon laufen wir Gefahr, den Amazonas aufzuessen.

Wie meinen Sie das?

Soja an sich ist ja kein schlechtes Produkt. Im Gegenteil, die Bohne ist ein wichtiger pflanzlicher Eiweißlieferant. Aber es kann nicht angehen, dass dafür Urwald zerstört wird. Genau das passiert. Weil wir – vor allem als Futter für Schweine und Rinder – immer mehr Soja nachfragen, wird in Brasilien der Regenwald gnadenlos platt gemacht. Das tut mir in der Seele weh. Amazonien ist ein Paradies an biologischer Vielfalt. Ich habe während meiner Doktorarbeit ein Jahr am Oberlauf des Amazonas gelebt und Flussdelfine erforscht. Du kannst stundenlang über unberührte, intakte Natur fliegen. Plötzlich, mittendrin, trifft es dich wie eine Keule: Der Urwald hört auf, wie abgeschnitten, und du siehst bis zum Horizont nichts anderes mehr als Sojafelder. Ich hab selbst gesehen, wie Bulldozer im Doppelpack, zwischen sich eine Riesensäge, mitten durch den Dschungel fahren und alles ummähen. Um Platz für neue gigantische Sojaplantagen zu schaffen, fackeln sie den Kahlschlag ab. Dabei geht alles mit drauf, was kreucht und fleucht. Wenn ich diesen Frevel sehe, spüre ich diese Wut in mir, die mich immer wieder von neuem motiviert, weiterzukämpfen.

Unser Fleischkonsum ist also mitverantwortlich für die Urwaldzerstörung. Sollte man nicht deshalb auf Fleisch verzichten?

Ich war ein paar Jahre lang Vegetarier. Heute esse ich durchaus mal ein Steak oder ein Schnitzel vom Biobauern, das finde ich vertretbar. Witzigerweise hab ich während meiner Zeit am Amazonas wieder angefangen, Fleisch zu essen. Wenn man lange im Dschungel lebt, giert man nach allem, was frisch ist, seien es Früchte, Fisch oder Wildschweinbraten. Das ist auch völlig in Ordnung, denn die Bewohner sind – anders als wir – in der Lage, ihren Lebensraum nachhaltig zu nutzen. Sie leben seit vielen Jahrhunderten von und mit dem Wald. Wo aber mächtige Holz- oder Agrarkonzerne auftauchen, herrscht brachiale Zerstörung. In meinen Augen sind das Umweltverbrecher.

Mit einigen saßen Sie kürzlich am Verhandlungstisch.

Richtig. Wir haben die fünf Soja-Riesen Cargill, A. Maggi, Bunge, ADM und Dreyfus tatsächlich dazu gekriegt, einem Moratorium für Amazonas-Soja zuzustimmen. Das heißt: Vorerst handeln diese Unternehmen nicht mehr mit Soja, das aus der Urwaldzerstörung stammt. Dass sie sich auf das Moratorium einlassen, geschah aber nicht aus Einsicht, sondern weil wir über ihre Kunden in Europa Druck gemacht haben. Die Drohung der Abnehmer, künftig keine Soja aus Urwaldzerstörung mehr kaufen zu wollen, zieht.

Wo – außer indirekt in Fleisch – steckt denn Soja sonst noch drin?

In erschreckend vielen Produkten, schätzungsweise 20.000 bis 30.000. Ob in Margarine, in Keksen, Backwaren oder auch in Speiseeis, überall finden sich Bestandteile der Pflanze, meist Sojalecithin. Hinzu kommt, dass der Verbraucher auf dem Etikett noch immer nicht erkennen kann, ob zur Herstellung nicht auch genmanipulierte Soja verwendet wurde, zum Beispiel als Tierfutter. Fisch aus zerstörerischer Fischerei, Pestizide im Obst, Gentechnik im Reis, Fleisch, für das der Urwald abgeholzt wird – der Supermarkt mutiert langsam aber sicher zum Gruselkabinett. So bringt Essen weder Spaß noch Genuss. Da müssen wir gegenhalten.

Und wie?

Eines vorneweg: Unsere Art, Nahrungsmittel zu produzieren, ist inzwischen eines der größten Umweltprobleme weltweit. Denn die Agrarindustrie verbraucht die meisten Flächen, das meiste Wasser, die meisten Chemikalien, sie bedroht die Artenvielfalt und ist zu rund 20 Prozent für den Klimawandel verantwortlich. Umso dringlicher müssen Lösungen her. Diese sind simpel, und sie liegen alle schon auf dem Tisch: Zum Beispiel brauchen wir für das Amazonasgebiet einen Landnutzungsplan, der auf bis zu 20 Prozent der Flächen eine kleinbäuerliche, nachhaltige Landwirtschaft erlaubt. Die restlichen, noch intakten Urwaldgebiete müssen unter Schutz gestellt werden. Wichtig sind dabei vor allem wirksame Kontrollen. Zudem müssen wir den Kleinbauern Zugang zu unseren Märkten verschaffen und ihnen faire Preise bezahlen.

Gibt es einen solchen Plan auch für die Rettung der Meere?

Ja, allem voran muss die Grundschleppnetzfischerei sofort weltweit verboten werden. Gleichzeitig müssen Meeresschutzgebiete ausgewiesen werden; wir brauchen faire Fischereiabkommen und müssen die EU-Fischereipolitik auf Nachhaltigkeit ausrichten – also große Flotten abbauen und Subventionen nach anderen Kriterien verteilen.

Klingt einleuchtend. Nur wie soll es durchgesetzt werden?

Zweifellos haben wir starke Gegner. Das sind zum einen internationale Konzerne mit ihren kurzfristigen Profitinteressen und zum anderen Politiker, die ihren Job nicht machen. Wie erst gerade kürzlich wieder: Vor der Wahl hatten sich sowohl SPD als auch CDU für ein Urwaldschutzgesetz ausgesprochen, jetzt will keiner mehr etwas davon wissen. So läuft das. Auf die ist kein Verlass. Deshalb müssen wir die Verbraucher als Verbündete gewinnen – auch wenn die in Deutschland besonders bei Nahrungsmitteln auf Geiz geeicht sind. Ich weigere mich aber zu glauben, dass die Menschen nicht bereit sind, für ein Ei, das weder Tier noch Umwelt schadet, zehn Cent mehr zu zahlen. Man muss ihnen nur begreiflich machen, welchen Preis sie andernfalls in Kauf nehmen – die Zerstörung der Natur zum Beispiel. Greenpeace alleine kann die Giganten vielleicht vertreiben, dann suchen die sich schon morgen einen anderen Fleck auf der Welt, wo sie wie gewohnt weiter wüten können. Wenn aber die Verbraucher mitziehen und ihre Essgewohnheiten tatsächlich umstellen, haben wir alle gewonnen.

Das Gespräch führte Andrea Hösch

Mehr Infos dazu:

Den Einkaufsführer „Fisch & Facts“ können Sie bei Greenpeace kostenlos bestellen unter Tel. 040/30618-0 oder herunterladen unter www.greenpeace-magazin.de/spezial/